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Mittwoch, 16. Oktober 2013

"Maschinen kaufen keine Autos"


Erster Teil einer Antwort auf fundierte Kritik an der Freiwirtschaft.(hier und hier) 

Die Erlösung von der sozialen Frage


Das Thema heißt Volkswirtschaft. Im Moment haben ich nur die Wahl zwischen: entweder ich lebe auf Kosten anderer oder andere leben auf meine Kosten; die Wahl Parasit oder Wirtsorganismus zu sein. Die halbwegs zivilisierte Menschheit verhält sich wirtschaftlich wie ein Bakterienkultur statt wie ein vielzelliger Organismus. Die drei Ursachen, warum sich aktuell nur diese beiden Möglichkeiten ergeben, sind:

1. In der Annahme das Bargeld Arbeit speichert

2. In der Fähigkeit des Bargeldes Ur-Zins zu erpressen

3. Im Eigentumsrecht an Naturgütern.

Nein, es muss einen Ausweg geben. Ich kann nur frei sein wenn auch alle anderen frei sind! Es kann mir nur gut gehen, wenn es auch allen anderen gut geht! Die Biosphäre ist doch auch ein Netz aus symbiotischen Beziehungen und Wettbewerb.

Im letzten Artikel versuchte ich einen ersten Einblick zu geben, wo die Ursachen zu suchen sind, das die soziale Frage immer noch nicht gelöst ist. In den Kommentaren tauchte dann das Wort Freiwirtschaft auf. Diese volkswirtschaftliche Theorie von Silvio Gesell ist soweit mir bekannt noch nie widerlegt, sondern immer nur totgeschwiegen worden und ist, denke ich, die einzige, die in der Lage ist die soziale Frage befriedigend zu lösen. Es wurde die berechtigte Frage nach den Problemen durch nicht geldbezogene Machtkonzentrationsprozesse, wie z.B.:
der Produktivitätssteigerung durch Erfahrung,
die Nachteile des Automatisierungsprozesses,
der Stückkostendegression,
Rentabilitätsschwellen, u.v.a.
gestellt und ob diese aus der Theorie heraus dargestellt und gelöst werden können. Die Antwort lautet: das kann sie in ihrer heutigen Form nicht, aber es lässt sich zeigen das durch ihre Anwendung, diese Probleme erstmalig zu bewältigen sind. Die Darstellung der logistischen Funktion der Freiwirtschaft wird Thema des nächsten Artikels sein.

Ich war erstaunt festzustellen, das keine großen Berechnungen notwendig sind um die Annahme des zwangsläufigen Zusammenbruch der Verteilungsgerechtigkeit zu widerlegen. Die Aussage von Silvio Gesell "Freiwirtschaft ist die Aneinanderreihung einfachster Zusammenhänge" hat sich wiedereinmal bestätigt. Ich werde mich so knapp wie möglich fassen und nicht die gesamte Freiwirtschaftstheorie hier aufrollen. Sondern den Extremfall der aufgeworfenen Fragestellung darstellen. Bei Unkenntnis oder Unklarheiten ist als erstes die Linkliste rechts und diese Seite zu empfehlen.

Stellen wir uns also einmal vor wir würden bereits Jahrzehnte in einer vom Kapitalismus befreiten Marktwirtschaft leben. Die Natur ist nicht mehr Quelle von Ressourcen und Senke für Müll, sondern es gibt nur noch geschlossene Stoffkreisläufe. Kapitaleinkommen aus natürlichen Monopolen werden staatlich auf einkommenslose Menschen verteilt, alle Finanzkapitaleinkommen haben sich auf Null geregelt. Es gibt weder Proletarier, noch Kapitalisten mehr. Das Währungsamt beobachtet den Preisindex aller Waren und passt die Bargeldmenge dem Bedarf an. Es gilt grob:

Bargeldmenge x Umlaufgeschwindigkeit = Summe aller Arbeitseinkommen

Jemand hat eine innovative Idee. Er baut den wartungsfreien Androiden. Er ist jetzt in der Lage alle Arbeit die ihm in den Sinn kommt zu programmieren. Die Androiden können sich auch selbst vervielfältigen.(die Asimov-Problematik, die Simulation von Bewußtsein, die Robotergesetze blende ich hier mal aus) Das verschafft ihm die Möglichkeit, nachdem die Herstellungskosten der Maschine abgeschrieben sind, jeden Preis am Markt zu unterbieten, weil keine Arbeit mehr zu bezahlen ist. Wenn dieser jemand also die vollständige Kontrolle über seine Technik hat, würde er sehr schnell alle anderen zu Einkommenslosen machen können. Sie müssten sich neue Beschäftigungsbereiche suchen um die Waren des einen, der seine Androiden schaffen lässt, zu erwerben. Das Währungsamt wäre nicht mehr in der Lage die Preise konstant zu halten. Je mehr Bargeld ausgegeben wird umso schneller werden Androiden gebaut und gleichzeitig verrotten immer mehr Waren weil immer weniger Leute Einkommen erwirtschaften dürfen. Nein, so kann das nicht gut sein, das wäre Kapitalismus reloaded.

Das Währungsamt kann sich also nicht nur auf den Preisindex verlassen, sondern muss den Herstellungsprozess jeder Ware im Blick haben und entscheidet in diesem Fall:

1. Das arbeitslose Einkommen des Erfinders wird wie Kapitaleinkommen aus einem natürlichem Monopol verteilt.

2. Die Preise werden fallen gelassen, alle Preise tendieren damit exponentiell gegen Null

3. Terminfindung zur Beendigung der Freiwirtschaft und Beginn des Zeitalters in dem Volkswirtschaft nicht mehr wichtig ist.

In dieser überspitzten Darstellung ist die Sache sehr vereinfacht, aber, denke ich, anschaulich und zeigt auf wo die Reise hingehen sollte. Ein Warenpreis enthält anteilig alle Aufwendungen für: Arbeit, Rohstoff, Wissen, Energie (enthält wieder Arbeit, Rohstoff, Wissen), Maschinen (enthalten wieder Arbeit, Rohstoff, Wissen, Energie), Transport (enthält Maschinen)... Es ist unmöglich im Bereich Wissen Kapital- von Arbeitseinkommen genau zu trennen. Es würde die volkswirtschaftliche Entwicklung auch ausbremsen wenn man es versuchen würde und von ihrem Endziel, der Erlösung vom wirtschaften, ablenken! Das Währungsamt muss Statistiken anlegen und auswerten, Patente vor ihrem Ablauf freigeben dürfen, Kartelle auflösen dürfen, usw...Wird ja teilweise heute auch schon alles gemacht, aber im Moment regiert noch Kapital. Die ganzen Wirtschaftswissenschaftler könnten hier mal endlich ehrlich zeigen was sie drauf haben.

Wer soll noch seinen Kopf anstrengen wenn Ideen verstaatlicht werden. Nein, das Patentrecht ist im Kern richtig, es funktioniert heute nur nicht gut (gemeinnützig, zum Vorteil aller), weil Machtinteressen regieren. Die technischen Schwierigkeiten des Geldstreik- und Bodenmonopols lassen sich durch Freiwirtschaft beheben, quasi unterbewußt regeln. Ganz ohne bewußtes Handeln geht es natürlicherweise nicht. Erst mit Freiwirtschaft gibt es eine Chance bewußt zu regeln was bewußt geregelt werden muß, ohne das das Unterbewußtsein dazwischenfunkt.

Die Sorge für die Verteilungsgerechtigkeit ist auch in der Freiwirtschaft eine Kunst, aber bedeutend leichter als heute, weil die Behinderung durch das volkswirtschaftlichen Unterbewußtseins aufgehoben ist. Eine Machtkonzentration, wie sie sich auch immer zeigt, bedeutet Kapital und gehört unschädlich gemacht. Das wirkliche Problem, warum zur Freiwirtschaft zu gelangen, sich so schwer darstellt, ist der Schritt ins bewußte Handeln. Zu erkennen: reich werden ist gut, auf Macht verzichten ist gut. Wenn es allen auch so gut geht wie mir, das ist glückliches Leben. Ohne Kapitaleinkommen könnten wir uns endlich geistig entwickeln. Ich halte es für sehr wahrscheinlich, das die Begründung für die Tatsache, das die geistige Entwicklung hinter der technischen soweit zurück ist, genau hier zu finden ist. Es führt, denke ich, kein Weg am bewußten Handeln, staatlicher Organisation und kompetenter Führung vorbei, um zur Akratie zu gelangen.



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